BWL Studenten interessieren sich für Afrika

Nachdem wir das Vordiplom in der Tasche hatten, hatten wir erstmal Semesterferien und sehr viel Zeit. Da wir, anders als viele Kommilitonen, der Meinung waren, genug gefeiert zu haben, wollten wir unsere freie Zeit nun mit sinnvolleren Dingen verbringen. Wir waren zu viert und alle BWL-Studenten. Als wir uns überlegten, was wir also tun sollten, hob eine Kommilitonin ihren Schokoriegel in die Höhe und meinte scherzhaft: "Warum gehen wir nicht einfach nach Afrika, 70% des Weltmarktanteils an Kakao kommt aus Afrika." Ich holte gerade Luft, um diesen Einfall als "albern und nicht sehr hilfreich" zu bezeichnen, als mir der Gedanke durch den Kopf schoss, dass eine Reise quer durch Afrika nicht nur unterhaltsam, sondern sicherlich auch lehrreich sein könnte. "Afrika ist der ärmste Kontinent der Welt, die Wirtschaft stagniert, der Großteil der Bevölkerung lebt unter dem Existenzminimum und niemand investiert in Afrika - was willst du denn da sehen?!", war prompt die Antwort eines anderen. Wir waren uns aber einig, dass wir alle sehen wollten, was da wirklich los ist. Unsere Reise begann in Kapstadt, Südafrika, am Cape Town International Airport. Ein großer Wirtschaftsfaktor der Stadt ist der Tourismus: Museen, historische Gebäude und botanische Gärten am laufenden Band. Von hier aus hat man auch einen traumhaften Blick auf Robben Island, eine ehemalige Gefängnisinsel, auf der auch Nelson Mandela gefangen war. Heute ist sie ein gut besuchtes Museum und Weltkulturerbe. Deutlich zu sehen war die Kluft zwischen arm und reich. Uns empfahl man sogar, die Regionalbahn zu meiden, da Diebstahl dort vorprogrammiert zu sein scheint. Die Wirtschaft lebt neben dem Tourismus von der Textilindustrie und der IT-Branche, aber auch vom Export von Obst und Blumen.

Über Umwege erreichten wir Niger, deren Hauptstadt Nigeria die höchste Einwohnerdichte Afrikas innehat. Dass Nigeria ein sehr hohes Erdölvorkommen hat, merkt man hier nur anhand der Öl-Pipelines, die sogar durch die Dörfer hindurch und über landwirtschaftliche Äcker reichen - und nicht an Reichtum wie in Saudi-Arabien. Jahrzehntelange Konflikte über die Vorkommen prägen die Armut.

Als BWL-Student ist man immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten sich zu verschiedenen Themen fortzubilden. Hier ist ein Hinweis auf betriebswirtschaftliche Weiterbildung allerdings auch mit der Option sich mit Non-Profitoragnisationen auseinander zusetzen, dass nur am Rand. Mit Eisenbahn und Flugzeug sind wir weiter nach Algerien, dem zweitgrößten Land des Kontinents. Die Landwirtschaft ist noch die wichtigste Einnahmequelle des Landes, obwohl lediglich 3% der Gesamtfläche für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden können. Die Schwerpunkte im industriellen Bereich liegen bei der Erdöl- und Erdgasverarbeitung sowie bei der Eisen- und Stahlindustrie, 2003 exportierte Algerien Waren im Wert von 32 Mrd. US-$. Die Bevölkerung sieht davon allerdings nichts - und dementsprechend sah es auch aus. Die Gebäude waren ausnahmslos in schlechtem Zustand.

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